MGH im ländlichen Raum – Einstieg
Demographischer Wandel als Herausforderung für den ländlichen Raum
Knapp ein Drittel der 500 Mehrgenerationenhäuser des Aktionsprogrammes befindet sich in ländlichen Regionen, ein weiteres gutes Drittel in Kleinstädten. Die Auswirkungen des demografischen Wandels sind vor allem auf dem Land deutlich spürbar. Junge Menschen wandern aufgrund von mangelnden Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten ab, ältere Menschen sind oftmals nicht mehr in stabile familiäre Netzwerke eingebunden. und bleiben zurück. Der ländliche Raum mit seiner geringen Einwohnerdichte bei relativ großer Fläche wird leerer und die Herausforderungen sind insbesondere bei der schwindenden Infrastruktur spürbar: die Anfahrtszeiten zu Kindergärten, Schulen Arztpraxen, Ämtern und Einkaufsmöglichkeiten werden länger, oft gibt es kein ausreichendes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Viele ländliche Regionen stehen damit vor der Herausforderung, die Ausdünnung der Dienstleistungs-, Kultur- und Bildungsangebote zu verkraften und mit den gegebenen Möglichkeiten den demographischen Wandel zu gestalten, um trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein attraktiver Lebensort zu sein.
Chancen nutzen: Mehrgenerationenhäuser als Vernetzer und Erbringer von Dienstleistungen
Der demographische Wandel und dessen Auswirkungen auf den ländlichen Raum bringen nicht nur Schwierigkeiten mit sich, sondern auch Chancen, die Mehrgenerationenhäuser ergreifen sollten. Anders als in Städten, wo es oft ein Überangebot an Aktivitäten und Angeboten gibt, wird ein MGH auf dem Land mit jedem seiner Angebote viel besser wahrgenommen. Und weil oft ein direkter Kontakt zu den Bewohnerinnen und Bewohnern vorhanden ist, haben es diese MGH auch leichter, den Bedarf zu ermitteln, darauf basierend passende Angebote zu gestalten und die potenziellen Nutzerinnen und Nutzer darauf aufmerksam zu machen. Mehrgenerationenhäuser können auch sehr dem Trend der Vereinzelung entgegenwirken, indem sie vielfältige Netzwerke initiieren und Menschen, die sich engagieren möchten, mit Menschen zusammenbringen, die Unterstützung brauchen. So können zum Beispiel Fahrgemeinschaften, Begleitdienste oder Patenschaften gegründet werden, die dazu beitragen, die Lebensqualität vor Ort deutlich zu erhöhen. Auch mit Dienstleistungen, die gegen Bezahlung angeboten werden, können Lücken in der Infrastruktur gut gefülllt werden. Sie haben noch einen weiteren Nutzen: Da gerade auf dem Land insbesondere Teilzeitarbeitsplätze knapp sind, kann ein umfassendes Dienstleistungsangebot auch die Beschäftigungsquote erhöhen.
Mehrgenerationenhäuser stärken das Gemeinschaftsgefühl von Jung und Alt
Die Etablierung eines Mehrgenerationenhauses als zentraler Bezugspunkt fördert auch den Gemeinschaftssinn der Bewohnerinnen und Bewohner und stärkt ihr Zusammengehörigkeitsgefühl. Vor allem Erwachsene und Alteingessene identifizieren sich oft sehr stark mit den Belangen des Ortes, setzen sich aktiv für ein Miteinander ein und sind darüber hinaus auch Erscheinungsbild ihres Ortes interessiert. Diese Interessen lassen sich in einem Mehrgenerationenhaus gut bündeln. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass sich ein Gemeinschaftsgefühl nicht erzwingen lässt: Gerade Jugendliche legen beispielsweise oft sehr viel Wert darauf, „unter sich“ und ungestört zu sein.
Familienfreundlichkeit lockt junge Familien an
Trotz der beschriebenen Ausdünnung der Bevölkerung ist es nicht so, dass ländliche Regionen gänzlich unbeliebt sind, im Gegenteil: Viele, die dort geboren wurden, würden ihre Heimat nur sehr ungern verlassen und vor allem junge Familien finden das Leben auf dem Land oft so attraktiv, dass sie aus der Stadt herziehen. Gründe dafür gibt es verschiedene, zum Beispiel niedrige Mietpreise, intakte Natur, gesunde Luft, Vollwertprodukte direkt vom Erzeuger und naturnahe Freizeitmöglichkeiten bei gleichzeitiger Nähe zu Wirtschaftsstandorten. Kommen dann noch eine gute und bedarfsgerechte Kinderbetreuung, Dienstleistungen, Bertatungsangebote und Freizeitaktivitäten dazu, wie sie viele Mehrgenerationenhäuser anbieten, ist viel dafür getan, dass die Zuzügler sich schnell am neuen Wohnort wohl fühlen und dauerhaft bleiben wollen.
Die Bedeutung von Mehrgenerationenhäusern für den ländlichen Raum
Im Idealfall liegt das Mehrgenerationenhaus im Ortskern, denn dann kann es dem Ort ein Gesicht und eine Identität geben und zentrale Anlaufstelle und auch Orientierungspunkt sein. Das Mehrgenerationenhaus ist eine multifunktionale Begegnungsstätte, deren Ziel es sein sollte, von allen Generationen angenommen zu werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist ein offener Treff, in dem regelmäßig Speisen und Getränke angeboten werden. Darüber hinaus ist das Mehrgenerationenhaus Drehscheibe für soziale Beratung und Dienstleistungsvermittlung, kultureller Mittelpunkt, ein Ort der Ausbildung, Fortbildung, Nachbarschaftshilfe und Betreuung. Eine wichtige Funktion gerade im ländlichen Raum ist auch die des Impulsgebers für die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten. Das kann auf vielfältige Arten geschehen: Zum einen, indem es mit Unternehmen und Produzenten vor Ort kooperiert und damit das Einkommen der örtlichen Versorger (Bäcker, Metzger, Lebensmittelladen) stärkt. Zum anderen indem es haushaltsnahe Dienstleistungen und niedrigschwellige Betreuungsangebote für Kranke, Ältere und Kinder anbietet, und damit Arbeitsmöglichkeiten schafft. Darüber hinaus ist das Mehrgenerationenhaus Motivator für freiwillig Aktive. Es stärkt die Ehrenamtsarbeit und somit den Gemeinsinn und kann vielen Menschen eine sinnvolle Betätigung und somit eine Perspektive bieten.







